Frauenschicksale in der Frühen Neuzeit

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Editorial

von Prof. Dr. Anne-Charlott Trepp

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„Daß Sie sich in Mannskleÿder gesteckt, das hätten ja mehr Weibsleuthe gethan“

Von Anna-Lena knebel

Im Juni 1708 stand Anastasius Beuerlein kurz vor seiner Hinrichtung. Wie so viele andere Soldaten im Spanischen Erbfolgekrieg war er desertiert und dafür zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Im Angesicht des Todes blieb ihm nur noch eine Möglichkeit, sein Leben zu retten. Er bat darum, ein letztes Mal die Beichte abzulegen und gestand dem Pfarrer unter vier Augen sein gut gehütetes Geheimnis — Anastasius Beuerlein war in Wirklichkeit eine Frau namens Catharina Linck. 

So spektakulär diese Episode aus Catharina Lincks Leben auch klingen mag, so war sie doch nicht die einzige Frau, die sich, besonders vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, durch das Tragen von Männerkleidung vor allem wirtschaftliche, aber auch anderweitige, Freiheiten verschaffte.

Wie Man(n) urteilt

Von Eva Strecker

Anne Greene war ein Dienstmädchen bei Oxford, bevor sie am Galgen gehängt wurde. Mit gerade einmal Anfang zwanzig war sie unverheiratet geschwängert worden, wohl von ihrem Dienstherrn selbst. Ihre Schwangerschaft verbarg sie. Das Kind wurde zu früh still-geboren; Ende November 1650 im Hinterhof des Herrenhauses. Die Überreste wurden gefunden, und Greene kam schnell vor Gericht. Ein kurzer Prozess nach zweiwöchigem Aufenthalt im Gefängnis, und das Urteil war gesprochen: sie war schuldig des vorsätzlichen Kindsmordes; das Verbergen der Schwangerschaft und die Totengeburt ohne Zeugen galten als Beweis.


Redaktion

Die neue Redaktion stellt sich vor

von Lisa Maier

Seit der Gründung 2024 sind Kirsten Bänfer und Flemming Menges Teil des Redaktionsteams der G-Öff. Mit der neuen Ausgabe wird der Staffelstab in neue Hände übergeben.

In den vergangenen Ausgaben ist einiges passiert. Dabei sind nicht nur die verschiedensten Artikel entstanden, sondern auch viele interessante Einblicke, Erfahrungen und Diskussionen. Für all das möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die mitgewirkt, unterstützt und gelesen haben.

Die neue Redaktion besteht aus drei Student:innen des Masterstudiengangs Geschichte und Öffentlichkeit: Eva Strecker, Irem-Sena Tasdemir und Lisa Maier. Irem-Sena und Lisa Maier haben ihren Bachelorabschluss an der Universität Kassel absolviert. Eva Strecker kommt aus Heidelberg/Würzburg nach Kassel.

Mit der neuen Ausgabe 04/2026 nimmt das neue Redaktionsteam seine Arbeit auf. Hinter den Kulissen wurde bereits viel geplant und besprochen. Pläne wurden über den Haufen geworfen und neue Ideen gesammelt. Unser besonderer Dank gilt Kirsten und Flemming, an die gemeinsamen Redaktionstreffen und Einführung in Planung, Ablauf, Kommunikation und alles, was noch dazu gehört. Euer Engagement, eure Ideen und eure Zeit haben dieses Projekt erst ins Leben gerufen. Vielen Dank für Eurer bisheriges Herzblut.

Wir wünschen Euch alles Gute und bestes Gelingen bei Euren Promotionsprojekten! (Also wenn ihr wollt … dann können wir dazu was schreiben in einer späteren Ausgabe … Ausgabenplanung gesichert, yes!)

Wir freuen uns, den kommenden Weg gemeinsam weiterzugehen und uns neuen Herausforderungen zu stellen. Viel Spaß mit der neuen Ausgabe der G-Öff!


Berichte

Exkursion ins Hessisches Staatsarchiv Marburg

Von Fabian Krause

Am 06. Februar 2026 fand im Rahmen der Einführungsveranstaltung im Masterstudiengang „Geschichte und Öffentlichkeit“ eine Exkursion in das Staatsarchiv Marburg statt. Zusammen mit Prof. Dr. Christian Jaser sind wir in das ca. 100 km entfernte Marburg gefahren. Als wir am Staatsarchiv ankamen, konnten wir uns die kleine Ausstellung im Foyer anschauen: „Hessische Kämpfer im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“.

Hauptaugenmerk für uns war jedoch die „dekorierte“ Decke im Foyer des Archivs: ein Deckenfries mit Hakenkreuzen. Um 11 Uhr erhielten wir von Dr. Constanze Sieger eine Führung durch und um das Gebäude. Dabei wurden wir über den Deckenfries und die Geschichte des Archivs informiert. Das Archivgebäude wurde in den 1930er-Jahren speziell für die Archivierung von Schrift- und Verwaltungsgut konzipiert und angelegt und ist damit eher eine Ausnahme. Gleichzeitig ist es auch ein Paradebeispiel für die repräsentative Machtarchitektur der Nationalsozialisten. NS-Symboliken und Hitlerbüsten sind heute aus dem Inneren des Archivs verschwunden. Was von der NS-Geschichte geblieben ist, sind ein Reichsadler im Innenhof und die Hakenkreuze im Deckenfries, die erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen sind. Das Haus und seine Angestellten gehen mit der NS-Vergangenheit ihres Arbeitsplatzes offen um. So werden beispielsweise spezielle Führungen angeboten oder im Innenhof Filmabende veranstaltet, bei denen im letzten Sommer u. a. Titel wie Inglourious Basterds gezeigt wurden, aus Trotz gegenüber der NS-Geschichte des Ortes.

Ein weiterer interessanter Teil der Führung war die Besichtigung der Archivbestände. So haben wir uns als Erstes Verwaltungsschriftgut aus dem 19. Jahrhundert angeschaut: Gerichtsverhandlungen, richterliche Verfügungen und Haftdokumente. Besonders leidenschaftlich wurde es dann für die Mediävisten und für Prof. Jaser, als wir uns kaiserliche und klösterliche Urkunden aus dem Spätmittelalter angeschaut haben. „Normale Besucher“ kommen in der Regel nicht in Kontakt mit solch seltenen Originalen. Die sicherheits- und klimatechnischen Maßnahmen zur Aufbewahrung dieser mittelalterlichen Quellen haben uns sehr beeindruckt. In den Lesesaal ausgegeben werden diese Quellen allerdings nicht, sondern nur zu speziellen Anlässen (Ausstellungen) oder für Forschungsvorhaben aus dem Sicherheitsbereich geholt.

Anschließend wurden uns noch frühneuzeitliche Stadtpläne der Stadt Kassel gezeigt. Hauptorientierungspunkt auf den Karten war für uns die Fulda und bekannte Platznamen. Wir mussten allerdings feststellen, dass sich Kassel stark gewandelt hat und wir vieles nicht mehr erkennen konnten, vermutlich auch aufgrund der Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs. Zum Schluss haben wir in einem Seminarraum noch über den Beruf des Archivars gesprochen. Uns wurden Aus- und Weiterbildungswege für Historiker nach ihrem Studium aufgezeigt. In diesem letzten Teil der Führung haben wir dann im Plenum über die Aufgaben und Tätigkeiten eines Archivs gesprochen und darüber, welche Herausforderungen das digitale Zeitalter an das Archiv heranträgt. Dabei haben wir ein sehr anregendes und spannendes Gespräch mit Dr. Sieger geführt.

Nach der Führung sind manche von uns noch in die Stadt gegangen, um einem Geheimtipp von Prof. Jaser nachzugehen: ein Buchantiquariat beim Rathaus. Dort ist jeder von uns für kleines Geld fündig geworden und konnte dabei den ein oder anderen Schatz heben. Anschließend sind wir dann gemeinsam wieder zurück nach Kassel gefahren, sodass wir am Abend alle wieder zu Hause waren. Die Exkursion in das Staatsarchiv Marburg hat vielen von uns den Beruf des Archivars als mögliche Berufsperspektive nach dem Masterstudium nähergebracht. Dabei ist die Arbeit mit historischen Quellen sowie das sichere Arbeitsverhältnis ein starkes Argument. Darüber hinaus hat uns das Engagement von Dr. Sieger sehr beeindruckt.

Vielen herzlichen Dank für die großartige Führung! Und auch vielen Dank an Prof. Dr. Jaser, der die Exkursion organisiert und begleitet hat.


Ankündigungen

Forschungskolloquien

Auch im Sommersemester 2026 gibt es im Fachbereich Geschichte Forschungskolloquien der Mittelalterlichen Geschichte, Alten Geschichte und (Frühen) Neuzeit. Die Vorträge der Kolloquien bieten einen Einblick in die breite Aufstellung von Forschungsprojekten. Weitere Informationen zu den einzelnen Vorträgen erhalten Sie bei den jeweiligen Fachbereichen der Universität.

Das mittelalterliche Kolloquium findet ab dem 22.04.2026 immer mittwochs von 18 – 20 Uhr im Seminarraum 1 des Campus Center (Moritzstr. 18, Raum 1110) statt. Anmeldungen sind gerne gesehen. 

Das Forschungskolloquium der Alten Geschichte findet dienstags von 16 – 18 Uhr im Raum 0112 in der Arnold-Bode-Straße 8 statt. 

Das neuzeitliche Forschungskolloquium findet montags von 16 – 18 Uhr statt. Die Räumlichkeiten werden noch bekannt gegeben.


Redaktion und Autor:innen dieser Ausgabe

Anna-Lena Knebel

Autorin

Anna-Lena Knebel studiert im Master Geschichte und Öffentlichkeit.

Eva Strecker

Redaktion und Autorin

Eva Strecker ist seit 2026 Teil des Redaktionsteam. Sie studiert im Master Geschichte und Öffentlichkeit. Ihren Bachelor Abschluss machte sie in Heidelberg und Würzburg.

Lisa Maier

Autorin und Redaktion

Lisa Maier ist seit 2026 Teil des Redaktionsteams. Sie studiert im Master Geschichte und Öffentlichkeit. Ihren Bachelor Abschluss absolvierte Sie an der Universität Kassel in mittelalterlicher Geschichte.

Fabian Krause

Autor

Fabian Krause studiert im Master Geschichte und Öffentlichkeit.

Irem-Sena Tasdemir

Redaktion

Irem-Sena Tasdemir ist seit 2026 Teil des Redaktionsteams. Sie studiert im Master Geschichte und Öffentlichkeit. Ihren Bachelor Abschluss machte sie an der Universität Kassel im Fachbereich Politikwissenschaften.